Es gibt viel Unterstützung für Energiegemeinschaften.

Markus Schwarz | SIR



Das EAG (Erneuerbaren Ausbau Gesetz) bringt frischen Schwung in das Thema Eigenstrom-Erzeugung, auch für KMUs. Anstatt wie bisher den Überschussstrom ins öffentliche Netzeinzuspeisen kann dieser einer Energiegemeinschaft zu einem garantierten Abnahmetarif zur Verfügung gestellt werden

Zuständige Anlaufstellen für Energiegemeinschaften gibt es in allen Bundesländern, Markus Schwarz vom Salzburger Institut für Raumordnung & Wohnen (SIR) ist der Verantwortliche im Bundesland Salzburg.

Herr Schwarz, welche Möglichkeiten gibt es für KMUs, eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft zu bilden?
Grundsätzlich braucht es mindestens einen zweiten Teilnehmer, das kann ein zweites KMU, aber auch eine Gemeinde, ein Privater oder ein Landwirt sein. Ideal sind mehrere Teilnehmer, dann ergibt sich eine bessere Aufteilung zwischen Erzeugung und Verbrauch.

Muss sich das Unternehmen eigeninitiativ darum kümmern?
Auch die Initiative kann sehr vielfältig sein. Erfahrungsgemäß geht sie derzeit eher von Gemeinden aus, weil eine Gemeinde viele Gebäude hat und oft schon eigene Erzeugungsanlagen betreibt. Die Gemeinden gehen dann auf Unternehmen zu und fragen, ob ein Unternehmen entweder als Erzeuger oder als Verbraucher mitmachen will. Es gibt aber auch Initiativen wie die erste Energiegemeinschaft in Salzburg, dort ist die Initiative von der Druckerei Roser ausgegangen. Die Druckerei hat zwei Standorte, die gegenseitig mit Strom versorgt werden und gleichzeitig wurden fünf Haushalte mit eingebunden.

Die Initiative kann also, muss jedoch nicht von einem Unternehmen ausgehen. Man kann sich einer bestehenden Energiegemeinschaft auch anschließen.

Die Grundidee von Erneuerbare-Energie-Energiegemeinschaften ist es, Strom lokal zu produzieren und zu verteilen. Welche Möglichkeiten gibt es?
Hier gibt es zwei Varianten: Die regionale Energiegemeinschaft, da müssen sich alle Teilnehmer unter einem Umspannwerk befinden, das kann weitläufig sein, teilweise gemeindeübergreifend. Bei einer lokalen Energiegemeinschaft wiederum müssen die Teilnehmer unter einem Ortsnetz-Trafo sein, das ist eine sehr kleine, überschaubare Energiegemeinschaft, die Teilnehmer müssen unmittelbar nebeneinander liegen. Die Unterscheidung wird deshalb gemacht, weil man bei der lokalen Variante sehr wenig vom öffentlichen Stromnetz nutzt und dadurch weniger Netzkosten zahlt und bei der regionalen Variante etwas mehr, weil auch mehr vom öffentlichen Netz genutzt wird.

Wer bestimmt in einer Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft den Preis?
Eine Energiegemeinschaft braucht eine eigene Rechtsperson, beispielsweise einen Verein oder eine Genossenschaft. Diese Rechtsperson ist dann der Betreiber der Energiegemeinschaft. Ein Verein oder eine Genossenschaft braucht Funktionäre, die einen Vorstand bilden, das heißt, die Gemeinde, das Unternehmen oder auch der Privathaushalt als Teilnehmer der Energiegemeinschaft bestimmen im Vorstand die Preise. Sie legen einen Betrag fest, den der Einspeiser bekommt und den Preis, den der Bezieher zu bezahlen hat.

Rechtsperson gründen, Anbieter und Abnehmer suchen, Preise verhandeln – das klingt aufwändig.  
Das Thema ist sehr neu. Um Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften möglich zu machen, hat man sehr viele Hürden aus dem Weg räumen müssen. Vieles davon hat man bereits geschafft. Erste Energiegemeinschaften wurden bereits gegründet, aktuell gibt es zwischen 30 und 50 in Österreich, viele Energiegemeinschaften sind derzeit in der Entstehungsphase.

Wir wissen, dass es derzeit noch nicht einfach ist. Es gibt jedoch viel Unterstützung. In jedem Bundesland gibt es eine Anlaufstelle für Energiegemeinschaften und es gibt spezielle Dienstleister, die beispielsweise bei der Vereinsgründung, bei der Projektentwicklung und bei der Abrechnung helfen. Durch die Zusammenarbeit der Bundesländer und der Koordinationsstelle werden immer mehr Grundlagen geschaffen wie Informations-Broschüren, Berechnungs-Tools, die aufzeigen, ob eine Energiegemeinschaft Sinn macht, es wird zeitnah einen Ratgeber über Steuern geben, einen zu Rechtsformen usw.

Eine gewisse Komplexität wird bei Energiegemeinschaften immer gegeben sein. Das liegt daran, dass es mehrere Teilnehmer gibt, dass man eine eigene Rechtsperson braucht, usw. aber durch Erfahrungen und Lernprozesse wird die Umsetzung Schritt für Schritt einfacher.

Links:
Anlaufstelle für Energiegemeinschaften in Salzburg
Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften
 


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