Wir raten jedem Unternehmen, sich mit dem Green Deal zu beschäftigen.

Gerhard Huemer SMEunited EU



Gerhard Huemer, Direktor SMEunited in der Europäischen Union, sieht speziell im Nachhaltigkeits-Bericht ein wichtiges Management-Instrument für Unternehmen jeder Größe.

Welche Ziele verfolgt die EU mit dem Green Deal?
Beim Green Deal geht es darum, die Klimaziele von Paris umzusetzen, das heißt, die EU will bis 2050 CO2-neutral sein. Das ist der Hintergrund. Um diese Ziele zu erreichen, gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen. Von Umstieg auf erneuerbare Energie über die Kreislaufwirtschaft bis hin zum Produktdesign.  

Welche Rolle spielen die Begriffe TaxonomieVO und CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) in diesem Zusammenhang?
Das sind die zwei wesentlichen Begriffe und damit Schwerpunkte im Rahmen des Green Deal. In der TaxonomieVO wird definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten „grün“ sind und damit mit Green Finance unterstützt werden können. Durch die TaxonomieVO wird in Zukunft verhindert, dass Firmen und Investoren „grün“ draufschreiben, wo gar nichts Grünes drinnen ist. Aktivitäten, die den TaxonomieVO-Kriterien entsprechen, dürfen dann z.B. in einem grünen Investitions-Portfolio oder Darlehens-Portfolio enthalten sein. Das ist es, aber auch nicht mehr.

Der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) ist der europäische Nachhaltigkeitsbericht-Standard. In diesem Standard wird definiert, was Firmen tun sollen - auch intern etwa in der Unternehmensstruktur - um diese Green Deal-Zielsetzung zu erreichen. Beispielsweise sollen Unternehmen Umweltrisiken erkennen und vermeiden, ihre Produkte nachhaltiger gestalten, Ziele definieren etc. Der CSRD dient als Grundlage für alle Unternehmen mit Berichtspflicht.

Welche Unternehmen haben Berichtspflicht?
Rechtlich verplichtend gilt die Berichtspflicht für Unternehmen, die schon jetzt nach dem NaDiVeg berichten müssen, das sind Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern. Sie müssen heuer erstmals einen Bericht im Rahmen der TaxonomieVO abgeben, allerdings in sehr einfacher Form. Laut Kommissionsvorschlag sollen auch Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern sowie alle Unternehmen, die an einer Börse notiert sind - mit Ausnahme der Micro-Unternehmen - reporting-pflichtig gemacht werden. Für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern ist nach heutigem Stand mit einer Berichtspflicht ab 2023 zu rechnen, für börsennotierte KMUs ab 2026.

Zusätzlich gibt es derzeit eine Debatte, ob auch nicht börsennotierte KMUs reporten müssen, wenn sie in besonders riskanten Sektoren tätig sind. Als drittes hat die Kommission angekündigt, am 15. Februar einen Vorschlag vorzulegen, der sich „Corporate Governance und Due Diligance“ nennt. Hier geht es darum, sich die Lieferketten anzuschauen.  

Die Banken sollen im Green Deal eine Schlüsselrolle spielen. Was ist ihre Aufgabe?
Der Finanzsektor als solcher – für KMUs sind es die Banken, weil sie die Finanziers der KMUs sind – soll die Finanzströme in Investitionen und wirtschaftliche Aktivitäten zu leiten, die den Zielsetzungen des Green Deals entsprechen und es schwieriger zu machen, Aktivitäten zu finanzieren, die dem Green Deal nicht entsprechen. Die Unternehmen müssen auf Basis der TaxonomieVO nachweisen, dass ihre Investitionen bzw. das Unternehmen nachhaltig sind.

Was kommt auf KMUs konkret zu?
Bei dieser ganzen Debatte muss man drei verschiedene Situationen unterscheiden.
a) Die KMUs müssen Großunternehmen und Banken Berichte zur Verfügung stellen. Dieser Druck auf die KMUs kommt daher, weil große Unternehmen, Banken und Finanzdienstleister selber berichten müssen. b) KMUs wollen Green Finance. Wenn ein KMU selber ein Green Finance haben will, einen günstigeren Kredit beispielsweise, dann muss das KMU auch dieselben Informationen liefern wie die großen Unternehmen. Sie müssen nachweisen, dass sie ein grünes Projekt haben, dass sie mit ihrem Projekt die andere Umweltziele nicht beeinträchtigen und die sozialen Mindeststandards erfüllen. c) Ein KMU möchte grüne Fördergelder haben. Im Rahmen des EU-Wiederaufbauprogrammes müssen 35 % für Aktivitäten im Rahmen des Green Deal ausgegeben werden. Auch die Regionalfonds haben Quoten für Green Finance. Die Kriterien, was bei Förderungen als „grün“ ist, wird sich wahrscheinlich sukzessive an die Taxonomie anlehnen. 

Würden Sie einem KMU raten, sich mit dem Thema zu beschäftigen?
Ja absolut. Wir raten jedem Unternehmen, sich mit den wichtigen Fragen zu beschäftigen: Wo sind mein mittel- und langfristigen Umweltrisiken? Wo sind meine Marktrisiken? Was muss ich tun, um die Klimaneutralität zu erreichen? Als nächstes wichtiges Thema kommt die Kreislaufwirtschaft mit dazugehörigen Fragen: Wie kann ich sicherstellen, dass ich Recycling-Material verwende? Wie kann ich meine Produkte so gestalten, dass möglichst wenig Abfall entsteht? usw. Diese Thematiken sind absolut notwendig.

Wir sind für das freiwillige Reporting von KMUs. Ein Nachhaltigkeits-Report kann ein ungeheuer wichtiges Managements-Instrument sein, mit dem man Risiken erkennt, die mit den klassischen Management-Instrumenten nicht sichtbar werden. Wir wollen nicht, dass die KMUs zu Nachhaltigkeits-Berichten gezwungen werden, empfehlen aber dringend eine freiwillige Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitsthemen.  

Die Transformation ist mit Kosten verbunden: Für die Umstellung auf erneuerbare Energie, für die Entwicklung nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen. Führen diese Kosten zu einem Nachteil auf dem globalen Markt?
Nicht wenn es uns gelingt, den Green Deal und die Transformation in einer Art und Weise umzusetzen, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft erhält oder sogar verbessert, weil wir Technologien, Produktionsmethoden und Produkte entwickeln, die andere brauchen werden, und wir uns als Innovations-Leader positionieren können, dann kann es gehen.


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