Jede und jeder steht in der Pflicht, etwas zu tun.



Woerle Käse GF Gerrit Woerle im Interview


Für Gerrit Woerle, Geschäftsführer von Woerle Käse in 5. Generation, ist Nachhaltigkeit in all seinen Dimensionen die Grundlage für modernes und zukunftsorientiertes Wirtschaften. Das Unternehmen setzt umfangreiche Nachhaltigkeitsaktivitäten entlang der Wertschöpfungskette.

Das Unternehmen Woerle ist im Bereich Nachhaltigkeit besonders engagiert. Was ist Ihr persönlicher Zugang?
Mein persönlicher Zugang ist, dass wir als Familienunternehmen, dem ich in fünfter Generation vorstehen darf, immer schon nachhaltig gedacht haben. Wir haben ganz andere Zeithorizonte als Konzerne, wo es oft um kurzfristige Entscheidungen geht. Wir produzieren nur naturbelassene Produkte und sind von intakten Kreisläufen abhängig, gleich wie unsere Partner, die Bauernfamilien. Ich bin der Meinung, dass jede und jeder in der Pflicht steht, etwas zu tun und seinen Beitrag zu leisten. Wir haben gemeinsam mit unseren Milchbauern schon vieles auf den Weg gebracht.

Wie gehen Ihre Bauern und Bäuerinnen mit Ihrem Ansatz um?
Am Anfang hat eine gewisse Skepsis geherrscht. Wir investieren jedoch viel Energie und Zeit, um unsere Partner zu informieren und mitzunehmen. Wir investieren auch viel Geld, um einzelne Aktivitäten zu unterstützen und umzusetzen. Unsere größte Stärke ist unsere innere Motivation und die Überzeugung, dass nur nachhaltiges Wirtschaften langfristigen Erfolg ermöglicht. Wir veranstalten viele Workshops, mein Team und ich sind oft persönlich vor Ort und erklären, was uns motiviert und warum uns das so wichtig ist. Damit konnten wir viele unserer Partner überzeugen und sind inzwischen auf einem sehr guten Weg.

Sie haben ein tolles Projekt mit erneuerbarer Energie und Energieeffizienz mit Ihren Milchbauern initiiert.
Bei diesem Projekt geht es um die Treibhaus-Reduktion in der gesamten Wertschöpfungskette. Durch die Haltung der Kühe entstehen Treibhausgase, das ist unsere Ausgangslage, die wir nicht beeinflussen können. Wir können uns jedoch den Prozess von der Urproduktion bis zu unserer Fertigung als Gesamtes anschauen und überlegen, was wir gemeinsam mit unseren Partnern direkt in der Region zu können, um Treibhausgase einsparen bzw. welche Maßnahmen wir setzen können, um Treibhausgase zu binden.

Das haben wir getan und setzten dabei auf der einen Seite auf Reduktion – mit PV-Anlagen, Wärmetauschern, Dämmung usw. – sowohl bei unseren Landwirten als auch bei uns in der Produktion. Auf der anderen Seite setzen wir beispielsweise Obstbäume, hier sind weitere Projekte in Planung. Um diesen Prozess zu unterstützen, haben wir uns als Unternehmen bereit erklärt, monetär abzugelten, wenn ein Milchlieferant bereit sind, etwas zu tun.

Ist der Klimawandel bereits spürbar?
Ja. Die Heumilch kommt bei uns aus einem Umkreis von ca. 50 km, wir betreiben damit die ursprünglichste Form der Milchwirtschaft. Deshalb sind wir auch von Trocken- und Regenereignissen indirekt betroffen, da die Produktion in der Landwirtschaft von einem stabilen Umfeld abhängt. Wir merken Schwankungen und deshalb beschäftigen wir uns auch mit der Frage: „Was bedeutet resiliente Landwirtschaft?“ und haben auch schon einige Projekte gestartet, um unsere wichtigsten Partner dahingehend unterstützen, dass sie mit den Wetterkapriolen zurechtkommen.

Setzen Sie auch Aktivitäten in Richtung Information der Kunden?
Unser erster Schritt war, uns dort zu engagieren, wo unser größter Einflussbereich ist. Wir wissen aber, wie wichtig auch die Aufklärung der Kundinnen und Kunden ist. Es ist entscheidend, dass dem Endkonsumenten bewusst wird, dass seine Kaufentscheidungen ein wichtiger Teil der nachhaltigen Entwicklung ist. Im Zuge unseres bis Herbst abgeschlossenen Verpackungsrelaunches werden unsere Botschaften auch für den Konsumenten besser erkennbar sein.

Was erwarten Sie sich von der Politik auf dem Weg zur Klimaneutralität 2040?
Erstens, dass die Politik versucht, über Parteigrenzen hinweg gemeinsam Lösungen zu finden. Das zweite ist, genau hinzusehen, was auch ökonomisch umsetzbar ist. Eine dritte Herausforderung ist die Aufklärungsarbeit – die Politik sollte nicht den Weg gehen, jedem etwas auf`s Auge drücken zu wollen, sondern auf Information, Verständnis und Motivation setzen. Zusätzlich sollten Unterstützungen ohne großen Verwaltungsaufwand angeboten werden, beispielsweise die Abwicklung von Förderungen. Und schließlich sollten auch die großen Probleme wie Individualverkehr oder die Lebensmittelkennzeichnung angegangen werden.

Welche nächsten Schritte sind geplant?
Das nächste große Projekt ist die schon erwähnte klimaresiliente Landwirtschaft mit den Schwerpunktthemen Artenvielfalt, CO2-Bindung, Bodengesundheit und Mikro-Klima auf den Feldern. Bei uns in der Produktion konzentrieren wir uns auf das Thema Abwasser bzw. auf die Energie im Abwasser. Und im Verkehr suchen wir nach Mobilitätslösungen, welche die Verbrennungsmotoren ablösen.


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