Wir müssen umdenken.

Joachim Wolf/Wolf Nudeln



Joachim Wolf von Wolf Nudeln ist Vorreiter bei Kreislaufwirtschaft und Energie-Autarkie


Wolf Nudeln ist sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Kreislaufwirtschaft ganz vorne dabei. Wie hat sich das entwickelt?
Das Unternehmen Wolf Nudeln ist aus einer Bäckerei entstanden. Als mein Vater bei seinem mehrjährigen Arbeitsaufenthalt in der Schweiz gesehen hat, wie aus frischen Eiern und Hartweizengries Nudeln gemacht wurden, ist er mit dieser Idee voller Begeisterung nach Güssing zurückgekommen. Hier hat er mit dem Großvater gemeinsam eine Maschine gekauft und zu produzieren begonnen. Sein großer Vorteil damals war, dass wir in einem ländlichen Raum sind und er von den umliegenden kleineren und mittleren Bauern frische Eier bekommen konnte. Hartweizengries wurde von einer Mühle aus Graz geliefert.   

Was war der nächste Schritt?
Um die Qualität der Eier auf hohem Niveau zu halten baute mein Vater einen Hühnerstall und das war der erste große Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft, die mich besonders fasziniert. Das Futter für die Hühner wird auf eigenem und auch gepachtetem Grund selbst angebaut, gleichzeitig dient der Hühnermist als natürlicher Stickstoffdünger für die Felder.

Durch die Umstellung der Hühner auf Bodenhaltung, die wir lange vor allen anderen durchgeführt haben, musste das Thema Hühnermist neu organisiert werden. Nach vielen Überlegungen wurde in unser Kreislaufsystem eine Biogasanlage dazwischengeschaltet. Damit produzieren wir einerseits Energie und die beinahe geruchslose bodennahe Ausbringung des Endproduktes wird mit Wohlwollen von der Bevölkerung aufgenommen.

Hier kommt das Thema „energieautarke Produktion“ ins Spiel, die technische Umsetzung dafür haben Sie selber mitentwickelt.
Das ist richtig. Mit einem Ingenieurbüro als Partner habe ich eine Biogasanlage weiterentwickelt und an unsere individuellen Bedürfnisse angepasst. Wir waren die ersten in Österreich, die so etwas umgesetzt haben und es war schon eine Herausforderung. Kurz gesagt funktioniert es so: Durch das im Hauptfermentor unserer Anlage entstehende Gas wird ein Motor betrieben und mit einem angekoppelten Generator wird elektrische Energie erzeugt. Die Abwärme des Motors wird in Prozesswärme umgewandelt  und für die Trocknung der Nudeln verwendet. Wir haben die Wärmetauscher der Trockner so konzipiert, dass nahezu die gesamte Abwärme als thermische Energie verwendet werden kann.

Wir bestücken unsere Biogasanlage täglich mit ca. 25 Tonnen Hühnermist und Grünschnitt – von den Landwirten, mit denen wir kooperieren und mit dem Grünschnitt unserer eigenen, ca. 150 ha großen Landwirtschaft. Der Anteil des Hühnermists liegt bei ca. 15 %. Das Gärendprodukt der Biogasanlage wird als natürlicher Dünger wieder auf das Feld ausgebracht. Damit schließt sich dieser Kreislauf.

Warum ist Ihnen Nachhaltigkeit so wichtig?
So wie wir auf unsere Vor-Generationen für vieles verantwortlich machen, zum Bespiel die heute nicht nachvollziehbare Begeisterung für Hitler, werden unsere nachkommenden Generationen auf uns schimpfen, weil wir für die Umwelt nichts getan haben. Wenn man sieht, wie das Eis der Arktis und der Antarktis wegschmilzt, wie die Eisbären ihre Heimat verlieren, wie der Wasserspiegel steigt, wie die Temperatur auf der ganzen Erde steigt, dann weiß man, dass wir dringend handeln müssen.

Wir müssen umdenken. Weg von den fossilen Brennstoffen. Aber auch weg vom Plastik.   Wir sind beispielsweise der erste Nudelproduzent, der seine Nudeln in Papier verpackt. Wir haben dafür sehr große Anstrengungen unternommen und viel investiert. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in unserer Branche Vorreiter sind.

Denken Sie bereits weitere Maßnahmen an?
Ja, es gilt bereits die nächste Herausforderung zu lösen. Bei uns geht am Wochenende und über die Feiertage viel thermische Energie verloren. Unser nächster Schritt wird sein herauszufinden, auf welche Art wir diese Energie speichern können. Wir möchten dahin kommen, dass wir wirklich nur die Energie verwenden, die wir brauchen und auch hier können wir noch einsparen. Wir wollen keine Energie verschwenden.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich von der Politik?
Ich kann mich hier nur rückwirkend bei Minister Berlakovich bedanken, der gegen viele Widerstände durchgesetzt hat, den Umstieg auf erneuerbare Energie zu fördern. Das war wichtig, denn man kann, wenn man etwas entwickelt, nicht alles aus eigener Tasche zahlen. Ich wünsche mir von der Politik, dass auf das Thema Umwelt ein noch stärkerer Fokus gesetzt wird. Nicht nur mit Förderungen, sondern auch mit Aufklärung.


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