Nachhaltigkeits-Engagement sollte sichtbarer sein

Gerald Heerdegen/FAHNEN GÄRTNER



Photo: Andreas Kolarik


Gerald Heerdegen, Eigentümer und Geschäftsführer des Salzburger Unternehmens FAHNEN GÄRTNER, wünscht sich einen stärkeren Fokus auf den Bereich Nachhaltigkeit im gesamten Wirtschaftssystem.

Sie gelten im Nachhaltigkeitsbereich als ein besonders engagiertes Unternehmen, sind Trigos-Gewinner 2020, sind im Bereich Klima & Energie Salzburg 2050- und Klimabündnis-Partner und bilanzieren nach der Gemeinwohl-Ökonomie. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Nachhaltigkeits-Engagement?
Dass wir unser Engagement im globalen Wettbewerb im Preis unterbringen. Nachhaltigkeit ist notwendig und gleichzeitig sehr aufwändig. Dem gegenüber stehen Kunden, die oft nicht bereit sind, für nachhaltig hergestellte Produkte einen höheren Preis zu bezahlen.

Allerdings gibt es da durchaus unterschiedliche Zugänge. Kleine Kunden honorieren nachhaltig produzierte Produkte eher. Bei den großen Ketten ist das anders - je internationaler ein Unternehmen ausgerichtet ist, desto restriktiver ist die Einkaufspolitik, da geht es hauptsächlich um den Preis.

Was erhoffen Sie sich von politischer Seite?
Die Sichtbarmachung von Nachhaltigkeitskriterien. Je sichtbarer diese sind und je höher sie bewertet werden, desto einfacher ist es, ein höheres Pricing für nachhaltige Produkte zu rechtfertigen. Von politischer Seite wäre es hier wichtig, die Anreize zu erhöhen, den Fokus verstärkt auf Nachhaltigkeitsaspekte im gesamten Wirtschaftssystem zu richten, damit eine Vergleichbarkeit am Markt durch die Käufer möglich ist. Eine Idee wäre, so wie in der Gemeinwohl-Ökonomie eine Art Punktesystem zu entwickeln.

Davon sind wir aber noch weit weg. Auch bei der öffentlichen Vergabe werden Aufträge hauptsächlich an den Bestpreis-Anbieter vergeben - das war beim Sourcing durch den Staat für die Corona-Maßnahmen leider nicht anders. Es wird letztendlich dort gekauft, wo es billig ist. In einer Bestpreis-Ausschreibung ist nicht erkennbar, wie das Produkt hergestellt wird.

Zusätzlich sollte es eine Abgabe geben für Produkte, die im Ausland unter Nichteinhaltung von Nachhaltigkeitsaspekten hergestellt werden. Wenn hier nicht Maßnahmen gesetzt werden, haben europäische Hersteller bald keine Chance mehr.

Sollen Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine Vorbildrolle einnehmen?
Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Ich sag´s ehrlich: Wenn es mehr so machen würden wie wir bei FAHNEN GÄRTNER, dann hätten wir weniger Probleme.

Wer könnte oder sollte noch Treiber sein?
Natürlich die österreichische Bundesregierung. Wir sehen rund um die Corona-Maßnahmen, was alles möglich ist. Wenn eine derartige Menge an Werbung rausgeht, dann kann die Bevölkerung umfassend über die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in allen Lebensbereichen aufgeklärt werden.

Haben Sie das Gefühl, das Ihre Kunden Ihr Engagement honorieren?
Ja, durch die Kette an Maßnahmen, die wir setzen, wird unser Bemühen sehr wohl honoriert. Die Kunden erkennen aufgrund unserer vielen verschiedenen Aktivitäten, dass bei uns Wasser gepredigt und dann nicht Wein getrunken wird. Wir machen kein Green Washing. Wir positionieren uns beim Kunden als ehrbarer Kaufmann, als glaubwürdiger Partner. Natürlich fragen sich viele, welchen Nutzen sie von einem nachhaltig produzierten Produkt haben. Ich glaube jedoch - vielleicht auch verstärkt durch die aktuelle Situation - dass es zu einem Umdenken kommt.

Mit welchen Maßnahmen beschäftigen Sie sich aktuell im Bereich Treibhausgas-Reduktion und erneuerbare Energie?
Einerseits haben wir unsere bisherigen Maßnahmen durch internes Energie-Management verfeinert. Eine Energiemanagement-Software von der Firma Berg erfasst die gesamten Energieströme im Unternehmen automatisch. Ebenso wird abgebildet, wieviel Energie wir aufgrund unserer Maßnahmen gespart haben. Andererseits planen wir gerade die Verdoppelung der Photovoltaik-Anlage um weitere 100 bis 120 kWp. Ich weiß allerdings noch nicht, ob wir das Projekt heuer umsetzen oder erst 2022 - aktuell müssen wir beim Einsatz der finanziellen Mittel vorsichtig sein. Geplant ist diese Photovoltaik-Anlage in Verbindung mit einem Batteriespeicher, damit wir Stromüberschuss speichern und dann in der Nacht verwenden können.


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