Energiebedarf: Sofort handeln und 3 Jahre voraus planen.



Roland Kuras | GF Power Solution


Energie-Experte Roland Kuras, Geschäftsführer von POWER SOLUTION, rät zu strategischem Denken beim Energieeinkauf. Konkret bedeutet das: Energie so schnell wie möglich und so viel wie möglich selbst erzeugen, den restlichen Energiebedarf über Energieverträgemittelfristig absichern.

Die Energiepreise spielen verrückt. Warum?
Viele wissen nicht, dass der Energiemarkt über eine Energiebörse geregelt wird und die funktioniert wie jede andere Börse auch: Sie wird auf der einen Seite sehr stark durch Hard Facts getrieben, auf der anderen Seite aber auch durch Erwartungshaltungen und hier ist derzeit eine hohe Nervosität im Markt. Die aktuell große Nervosität in der Energiebörse betrifft die Frage, wie sich die Gasversorgung entwickelt. Das bestimmt den Gaspreis. Was viele auch nicht wissen ist, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Stromes mit Gas produziert wird, so an die 15 – 20 % über das Jahr verteilt. In den Wintermonaten viel mehr, deshalb werden das die kritischeren Monate werden. In den Sommermonaten ab April/Mai haben wir viel mehr Wasserkraft, aber noch immer ein bisschen Gas. Und das bisschen Gas verursacht jetzt diese hohen Preise.

Wie hängt das zusammen?
Das hängt damit zusammen, dass immer das teuerste Kraftwerk den Preis pro Stunde bestimmt. Jedes Kraftwerk hat eine Preiskurve, wo es zugeschaltet wird. Auch wenn das nur ein paar Prozent sind – diese Situation haben wir aktuell - dann bestimmen die paar Prozent den Stundenpreis. So lauten die Regeln an der Energiebörse, man nennt das die Merit-Order-Kurve.

Das ergibt den derzeitigen Riesen-Gap. Auf der einen Seite haben wir in Österreich Kraftwerke, die zum Zeitpunkt unserer Eltern und Großeltern gebaut wurden, ungefähr seit 30 Jahren werden in Österreich ja keine großen Wasserkraftwerke mehr gebaut. Die bestehenden Kraftwerke sind weitestgehend finanziell abgeschrieben und produzieren zu einem sehr günstigen Preisniveau. Aber: Auch zu einem Zeitpunkt, an dem diese Kraftwerke günstig produzieren, man jedoch ein paar Prozent Gas zusätzlich braucht, dann wird für den Strom der Preis des Kraftwerks verrechnet, das mit Gas betrieben wird.  

Welche Energie-Strategie raten Sie Unternehmen in der aktuellen Situation?
Für ein Unternehmen, dass noch gar nichts für 2023 eingedeckt hat, ist die Situation suboptimal. Wir empfehlen grundsätzlich eine Strategie, die mindestens drei Jahre in die Zukunft geht. Das halten wir für sinnvoll, um eine Absicherung der Preisstruktur zu haben. Wichtig ist es, für 2023 so schnell wie möglich strukturiert  zu handeln, aber sich genauso schon Gedanken für 2024 und 2025 zu machen. Man sollte das auf mehrere Teilschritte verteilen. 

Warum in Schritten? Wenn man Glück hat und alles auf eine Karte setzt, dann hat man einen guten Preis. Allerdings haben wir jetzt ein extremes Hoch. Im Jahr 2023 ist die Erwartungshaltung die, dass die Preisstruktur etwas nachgibt. Man sollte aber bereits jetzt erste Teilmengen für 2024 und 2025 zur Absicherung eindecken.

Die etwas positivere Nachricht in dieser schwierigen Lage ist, dass der Preis für 2024 und 2025 wesentlich unter dem Preisniveau von 2023 liegt, weil eine bessere Gasverfügbarkeit erwartet wird. Ab 2026 prognostiziert man wieder eine stabilere Situation bei der Gasversorgung. Sollte jedoch die Situation eintreten, dass Russland die Gaslieferungen stoppt, dann sind wir sowieso in einer ganz anderen Situation, dann gelten ganz andere Gesetze.

Was soll ein Unternehmen also konkret tun?
So schnell wie möglich Energie selbst erzeugen und den Rest mit Energie Contracting absichern. PV-Anlagen rechnen sich wirtschaftlich, besonders für Gewerbe-, Tourismus- und Industriebetriebe machen solche Anlagen 100 % Sinn. Sie sollten so rasch wie möglich umgesetzt werden. Ich persönlich hoffe, dass die Fördermittel dazu aufgestockt werden. Jeder Förder-Euro sichert die Stromversorgung und wirkt wesentlich besser, als wenn wir später Unternehmen bei ihren Energiekosten unterstützen müssen. Wir sollten allerdings nicht nur in Photovoltaik, sondern auch in Windkraft investieren, die brauchen wir genauso oder sogar noch mehr, weil im Winterhalbjahr die Sonne weniger scheint aber der Wind mehr bläst und damit zu einer Stabilisierung der Energieversorgung beiträgt.

Sie haben auch ein Photovoltaik-Investment-Konzept für das Unternehmen Vöslauer umgesetzt, bei dem auch Private in Erneuerbare Energie bei einer stabilen Verzinsung investieren können. Wird es weitere solcher Konzepte geben?
Ja, wir sind im Programm des Umweltbundesamtes der Austrian Green Investment Pioneers. Hier haben wir eine wichtige Kooperation mit der Volksbank auf der Finanzierungsseite und mit dem ÖGV Österreichischen Genossenschaftsverband die uns bei der Entwicklung von Erneuerbaren Energiegemeinschaften zur Seite steht. Im Rahmen dieser Kooperation ist es angedacht, die Erneuerbaren Energiegemeinschaften noch stärker voranzubringen, weil das eine gute und innovative Möglichkeit ist, stabile Energiekosten zu haben.

Innerhalb und außerhalb dieser Energiegemeinschaften ist dann eine Beteiligung möglich, und das hat aus Unternehmenssicht zwei Effekte: Erstens braucht man das Investment nicht selbst zu tätigen, sondern bietet Interessierten ein stabiles Investment mit einer stabilen Rendite. Damit erspart sich das Unternehmen vom ersten Tag der Inbetriebnahme der Photovoltaik-Anlage Geld, weil die Rückzahlungsraten geringer sind als der aktuelle Strompreis wäre.

Zweitens kann der Überschuss-Strom in einer Energiegemeinschaft sinnvoll verwertet werden. Mitglieder der Energiegemeinschaft haben den Vorteil, dass sie mit reduzierten Netzkosten und Abgaben beaufschlagt werden und für einen längeren Zeitraum eine stabile Preissituation haben. Meist kann ein Unternehmen nicht 100 % des Eigenbedarfs mit einer Photovoltaik-Anlage abdecken, aber zwischen 30 % und 50 % sind damit gesichert.

 


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