Energieversorgung? Drehen Sie den Spieß um.

Roland Haslauer | GFB Wirtschaftsberatung



Roland Haslauer, Geschäftsführer der GFB Wirtschaftsberatung, rät seinen Kunden seit über 10 Jahren, sich von fossilen Brenn- und Treibstoffen bestmöglich unabhängig zu machen. Die jüngsten Entwicklungen geben ihm recht.

Sie rechnen Ihren Kunden seit über 10 Jahren vor, wie wirtschaftlich attraktiv erneuerbare Energie für Unternehmen ist und welche Vorteile eine maximal mögliche Energie-Autarkie mit sich bringt. Sehen Sie sich durch die jüngsten Ereignisse bestätigt?
Es ist leider so, dass lange Zeit sehr wenig passiert ist. Jetzt bricht das Thema vollständig auf, zum einen, weil auf politischer Ebene aufgrund des Klimawandels Druck gemacht wird und zum anderen, weil aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen ein unglaublicher Preisdruck entstanden ist. Diejenigen, die sich bereits mit erneuerbarer Energie auseinandergesetzt haben, sind jetzt klar im Vorteil.  

Haben Sie aktuelle Zahlen, wie sich eine PV-Anlage für Unternehmen wirtschaftlich rechnet?
Wirtschaftlich betrachtet hat sich eine Photovoltaik-Anlage bereits lange vor der dramatischen Erhöhung der Energiepreise gerechnet. Wir sind Unternehmensberater und betrachteten das aus Investitionssicht. Eine Investition in eine PV-Anlage hat schon bisher einen Ertrag um die 10 % gebracht. Das ist eine Verzinsung, die man in der klassischen Welt der Banken nicht bekommt und von denen die Finanzmärkte nur träumen. Die Situation hat sich jetzt durch die Erhöhung der Strom- und Gaspreise nochmals massiv verstärkt. Wir liegen deutlich bei 20 % und höher.

Warum sollten also Unternehmen ihr Geld auf irgendwelchen Konten lassen und in der Inflation verlieren, wenn sie durch die Erzeugung von erneuerbarer Energie wirtschaftlich profitieren und unabhängig werden können.

Eine Überproduktion der Solaranlage aufgrund niedriger Einspeisetarife war früher finanziell nicht attraktiv. Hat sich das verändert?
Das hat sich massiv verändert. Wir haben zwei Möglichkeiten bekommen. Erstens können Erzeuger mit Photovoltaik-Anlagen ab 100 kWp an Energiekonzerne verkaufen und zu Börsenpreisen einspeisen. Der aktuelle Börsenpreis liegt bei 21 cent/kWh, hier sind nur moderate Spesen abzuziehen.   

Die zweite Möglichkeit ist eine Energiegemeinschaft zu gründen bzw. einer beizutreten. Die EEGs (Erneuerbaren Energie Gemeinschaften) wurden von langer Hand vorbereitet und sind seit Frühjahr auch praktisch umsetzbar. Es bedeutet, dass sich ein Privathaushalt oder eine Firma, die Strom erzeugen und Partner, die Strom benötigen, die Tarife selber aushandeln können. Für EEGs gelten noch dazu reduzierte Netztarife, wenn der Strom lokal verbraucht wird, da dadurch die Netze entlastet werden.  

Sie raten Ihren Unternehmen also nicht mehr, die PV-Anlage für den Eigenbedarf zu dimensionieren, sondern aufgrund der veränderten Situation eine möglichst große PV-Anlage zu installieren?
Ja, genau. Erstens möglichst groß dimensionieren, zweitens möglichst viel direkt verbrauchen – auch über eigene Speicherlösungen – und den Rest bei großen Anlagen so hochpreisig wie es geht an die Konzerne zu verkaufen. Ein Unternehmen kann damit den Spieß bei der Energieversorgung umdrehen.  

Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 100 % des Stroms aus erneuerbarer Energie zu generieren. Geht sich das bei steigendem Strombedarf durch E-PKWs aus?
Die E-Mobilität gesamthaft, insbesondere im PKW-Bereich, ist hocheffizient. Das bedeutet, dass, wenn wir Gesamtösterreich im PKW-Bereich umrüsten - das betrifft ca. 5,1 Millionen Fahrzeuge - wir erstens einmal vom Spritverbrauch etwa 5 Mrd. Liter Treibstoff einsparen bei einem Treibstoffpreis um die 2 Euro. Wenn wir die gefahrenen km auf Strom umstellen, brauchen wir für diese PKWs lediglich etwa 10 TWh, das bedeutet im Klartext ein 1/8 bis 1/6stel des gesamten Energiebedarfes. Wenn man weiß, dass Autos in etwa durchschnittlich 10 Jahre fahren, dann benötigen wir jedes Jahr eine Erhöhung von 1,2 bis 1,5 % - das ist kein Thema.

Der Fehler bei diesen ganzen Berechnungen ist, dass man das Thema der „armen“ Energiewirtschaft umhängt. Dabei kann die Rechnung ganz anders aufgehen. Wenn man beispielsweise im Bundesland Salzburg alle PKWs von einem Tag auf den anderen austauschen würde, dann bräuchte man für die Stromversorgung nur gut 3 km3 Photovoltaik, das ist wesentlich kleiner als der Zeller See, das bedeutet ca. 13 m2 pro Haushalt. Wenn das keine Ansage ist. Wenn dann die großen Energiekonzerne auch noch mitspielen, dann ist das eine Mickey Mouse-Angelegenheit, die medial sehr übertrieben wird.

 


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