Wir tragen eine unglaublich große Verantwortung.



Andreas Lederer | LEDERER Boutique Hotel Kaprun


Für Andreas Lederer, Besitzer des LEDERER Boutique Hotel (4 Stern Garni) in Kaprun, ist Nachhaltigkeit die größte Herausforderung für den Tourismus und die ganze Region.

Sie beschäftigen sich schon seit langer Zeit mit dem Thema Nachhaltigkeit. Was hat Sie dazu veranlasst?
Wir hatten 2011 die Gelegenheit, den übernommenen Betrieb neu zu bauen. Schon damals haben wir uns über das Thema Nachhaltigkeit, vor allem was die Energieträger betrifft, Gedanken gemacht. Es ist immer einfacher, in einem Neubau Maßnahmen umzusetzen als ein altes Gebäude zu adaptieren. Ich habe damals beschlossen, auf Heizöl zur Gänze zu verzichten und erneuerbare Energie nach damaligem Stand bestmöglich einzusetzen. Wir haben von Anfang an Ökostrom verwendet, haben eine Grundwasser-Wärmepumpe installiert und sind heute in der glücklichen Lage, fossile Energie nur noch in Form von Gas zu beziehen, das wir jedoch nicht als Hauptenergiequelle verwenden, sondern zusätzlich, wenn die Kapazität der Wärmepumpe nicht ausreicht. Letztes Jahr haben wir uns für eine PV-Anlage entschieden und schauen uns, nicht ohne Stolz, die Energiemengen an, die wir damit produzieren.  

Mittelfristig ist geplant, die Kapazität der Wärmepumpe zu erhöhen damit wir ganz auf Gas verzichten können. Das ist jedoch sowohl eine finanzielle als auch eine technische Herausforderung. Wir beobachten dazu die verschiedenen Entwicklungen sehr genau, es wird aktuell viel entwickelt und es werden immer effizientere und intelligentere Lösungen angeboten.

Uns war für das Hotelprojekt der Einsatz von erneuerbarer Energie einfach ein Anliegen. Dass sich in den letzten Jahren der Klimawandel so deutlich zeigt und die Lage so extrem ernst geworden ist, konnte ich mir vor 11 Jahren noch nicht vorstellen.

Welche Maßnahmen haben Sie noch umgesetzt?
Wir achten grundsätzlich darauf, dass wir unsere Umweltauswirkungen so weit wie möglich im Griff haben. Ein Thema, auf das wir unseren Fokus gesetzt haben, ist Abfall und Ressourcenschonung. Auch hier haben wir in den letzten 10 Jahren konsequent Maßnahmen umgesetzt. Bei uns gibt es beispielsweise keine Plastikflaschen im Betrieb, wir geben Einweg-Pantoffeln nicht automatisch ins Zimmer, sondern stellen sie auf Nachfrage zur Verfügung. Das sind nur ein paar Beispiele.  Beim Frühstück verzichten wir auf die Tetra-Verpackungen bei den Säften, indem wir Biosaft-Konzentrat mit unserem hervorragenden Leitungswasser verarbeiten. Dadurch können wir bis zu 12.000  Tetra-Packungen pro Jahr, das sind an die 90%, als Abfall vermeiden. Es ist so wichtig, bei den vielen Kleinigkeiten im Hotelbetrieb auf Ressourcenschonung und Abfallvermeidung zu achten.

Auch bei den verwendeten Lebensmitteln verbessern wir uns laufend. Wir achten auf zertifizierte Produkte aus regionaler Produktion und bevorzugen lokale, kleinere Lieferanten anstatt Konzerne. Beispielsweise haben wir vor kurzem unseren Kaffeelieferanten gewechselt. Wir beziehen nun unseren Fairtrade- und Bio-Kaffe von einer österreichischen Rösterei. Wir haben hier einen klaren regionalen Ansatz.  

Den umfassenden Überblick über unsere Aktivitäten verschaffen wir uns mit unserer Gemeinwohlökonomie-Bilanz. Den ersten Bericht haben wir vor drei Monaten fertiggestellt.  

Wie vermitteln Sie diese Inhalte an Ihre Gäste?
Im Haus finden unsere Gäste viele Informationen zu unserer Arbeit hinsichtlich Nachhaltigkeit. Wir kommunizieren auch über die sozialen Medien. Allerdings stelle ich fest, dass eine neue Terrassen-Dekoration aktuell mehr Aufmerksamkeit generiert als ein Post über unsere PV-Anlage. Es braucht mehr Bewusstsein hin zu den Auswirkungen des durch den Menschen verursachten Klimawandels. Nachhaltigkeit und nachvollziehbare Gegenmaßnahmen der einzelnen Betriebe sowie der Destinationen werden in Zukunft buchungsentscheidend sein. Da sind wir alle gefordert.

Was sehen Sie als die größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte?
Wenn man das gesamtheitlich betrachtet, dann ist das wesentliche Thema unserer Branche die Anreise der Gäste, sofern die Betriebe vor Ort ihre Hausaufgaben erledigen. Wie kommt der Gast in Zukunft möglichst bequem, unkompliziert und CO2-frei mit seinem Gepäck von seinem Wohnort in unsere Region, in unser Hotel? Das sehe ich als die große Herausforderung. Der PKW mit einem Verbrennungsmotor hat mittelfristig als Reisevehikel wohl ausgedient. Bei uns wir das CO2-Equivalent pro Gastnacht zukünftig eine Messgröße sein, die wir darstellen wollen. Dabei wird auch die Art der Anreise des Gastes berücksichtig werden.

Was ist Ihnen persönlich wichtig?
Ich glaube, dass meine Generation die Folgewirkungen eines Nicht-Handelns oder verhaltenen Handelns in Fragen des Klimawandels noch nicht so stark spüren wird. Wir leben in einer sehr privilegierten Umgebung. Auch beim prognostizierten Temperaturanstieg wird man bei uns noch einige Jahr durchaus gut leben können. Aber genau das ist das Kernproblem und die Gefahr.

Ich mache mir viele Gedanken über das, was unsere Kinder und Kindeskinder erwartet. Ich bin mir bewusst, dass wir die letzte Generation sind, die noch etwas ändern, das Ruder herumreißen kann. Daher tragen wir eine unglaublich große Verantwortung. Das müssen wir uns zu Herzen nehmen. Wenn wir das nicht tun, werden die nachfolgenden Generationen das ausbaden müssen. Und das ist nicht akzeptabel.


Energieversorgung? Drehen Sie den Spieß um.
Roland Haslauer | GFB Wirtschaftsberatung
PV-Förderungen aufgestockt.
2022 soll jede PV-Anlage gefördert werden.
Einführung Energie-Managementsystem
aws-Förderung für KMUs bis 30. Juni
Beratung Mobilitätskonzepte

Lösungen für alle Mobilitäts-Ansprüche

Zu den Beratern 
Beratung CSR, Energie und CO2-Bilanz

Chancen erkennen und strategisch umsetzen

Zu den Beratern 
Top