Unternehmen sollten bewusst eine Vorreiterrolle einnehmen

Claudia Rosmanith zur aktuellen Situation



Claudia Rosmanith, GF und Gründerin der EEC Energy and Environmental Consulting GmbH, ist eine der erfahrensten Beraterinnen beim Umstieg auf Erneuerbare Energie. Sie empfiehlt Unternehmen, das aktuell hohe Marketing-Potential des Themas zu nutzen.

Warum sollten sich Unternehmen jetzt mit dem Umstieg auf erneuerbare Energie auseinandersetzen?
Einerseits sollte jedes Unternehmen ressourcenschonend agieren, andererseits – und das sieht man in den letzten Monaten ganz extrem – ist das Thema auch für das Marketing und die Positionierung sehr wichtig. Da gehört die Energieversorgung, die Energieeffizienz und der CO2-Fußabdruck sowie die Einsparungen in diesen Bereichen einfach dazu. Es ist ganz wesentlich, dass man als Unternehmen nicht dem Markt hinterherhinkt, sondern dass man ganz bewusst eine Vorreiterrolle einnimmt oder zumindest klar definiert, wie ernst man als Unternehmen dieses Thema nimmt. Das wird beim Endkunden immer wichtiger.

Besonders relevant ist der Umstieg auf erneuerbare Energie auch für Unternehmen, die Zulieferer für Großunternehmen sind. Wir sehen verstärkt, dass bei Lieferketten immer mehr nachgefragt wird, wie der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens oder eines gelieferten Produktes ist, weil das auch ein Zuschlagskriterium ist.

Was kann ein Unternehmen konkret tun?
Ganz wesentlich ist zu wissen, wo man steht. Deshalb sollte als erstes erhoben werden, wie viel Energie man verbraucht und wieviel CO2 man dabei ausstößt. Um die wesentlichen Handlungsbereiche zu eruieren, ist es wichtig, zwischen Branchen zu unterscheiden. Wenn man ein Dienstleistungsunternehmen mit Büro und Fuhrpark hat, dann ist der wesentliche Punkt die Mobilität, dann sollte man sich darauf konzentrieren. Wenn es aber ein produzierendes KMU ist, da ist im Normalfall die Produktherstellung bzw. die Produktweiterverarbeitung der größte Brocken, dann sollte man sich das jedenfalls auch anschauen. Kann man beispielsweise die Rohstoffe lokaler besorgen und damit den Transport optimieren usw. KMUs haben oft ein Zeit- und Ressourcenproblem und um einmal ein Gefühl dafür zu bekommen, um was es geht, gibt es bei uns einen kostenfreien Rechner auf der Website, mithilfe dem man sich einen ersten Überblick verschaffen kann.

Sie beraten seit 2006 zum Thema Klimaschutz. Hat das Thema jetzt den nötigen Schwung?
Das Thema Klimaschutz ist in den Medien und im Marketing viel präsenter als früher. Wir haben bereits 2006 angeboten, den CO2-Fußabdruck zu berechnen, das hat damals genau niemanden interessiert. Seit Greta Thunberg hat Klimaschutz an Bedeutung gewonnen, durch die extremen Wetterereignisse steht es immer stärker im Fokus. Unternehmen werden geradezu genötigt, sich mehr damit zu beschäftigen, weil sich andere Unternehmen und die Konkurrenz auch mehr damit auseinandersetzen.

Ich sehe es aber auch ein bisschen differenzierter. Einerseits ist es in aller Munde, es ist in den Medien, das Bewusstsein ist viel größer geworden, viele Unternehmen überlegen sich etwas zu diesem Thema. In der Praxis passiert viel zu wenig. Vielen ist nicht bewusst, dass umfangreiche Systemumstellungen erfolgen müssten, dass der größte Anteil am CO2-Fussabdruck in den Konsumgütern versteckt ist. Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft und seit 30 Jahren sprechen wir von Energieeinsparungen und von effizienten Anlagen, von effizienten Gebäuden. In Wirklichkeit passiert viel zu wenig und das viel zu langsam. Das Szenario, wie sich der CO2-Ausstoß global weiterentwickeln wird, sehe ich nicht sehr optimistisch.

Was braucht es aus Ihrer Sicht zusätzlich, um mehr Dynamik in das Thema Klimaschutz zu bringen?
Ich bin der Meinung, dass die wesentlichste Schraube, damit die Ziele bis 2030 und 2040 wirklich erreicht werden können, die Gesetzgebung ist. Die vielen Initiativen, die entstehen, sind gut, sie machen wichtige Aufklärungsarbeit – aber viele Betriebe werden dennoch nicht aktiv, weil sie die Last tragen müssen und für sie auch der Zugang zu Förderungen schwierig ist.

Nehmen wir das Thema Beleuchtung als Beispiel: Das war 2010 bei vielen Kund*innen in großes Thema, da war viel Diskussion, viel Information, viel Zustimmung und viel Wollen, aber passiert ist relativ wenig. Und jetzt ist dieses Thema erledigt, weil die Glühbirne verboten wurde und LED heute selbstverständlich ist. Da schimpfen zuerst zwar viele und regen sich auf, aber am Ende des Tages ist es eine gute Lösung und für niemanden mehr ein Problem. Hätte es nur Förderungen für den Austausch gegeben wären wir noch längst nicht da, wo wir heute sind. Ich glaube es braucht legislative Maßnahmen wie z.B. das Verbot von Ölheizungen im Jahr 2030, damit wirklich was passiert.


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