Anreizsysteme statt Verbote für Unternehmen

Christian Wagner/WKS plädiert für mehr Unterstützung bei der Energiewende



Christian Wagner, Bereichsleiter für Umwelt- und Energierecht in der Wirtschaftskammer Salzburg, hat Klimaschutz und Energiewende schon lange auf seiner Agenda. Er plädiert für den Ausbau von Anreizsystemen, um die Wirtschaft auf dem Weg zur netto-Klimaneutralität bestmöglich zu unterstützen.

Sie haben in der Wirtschaftskammer Salzburg mit „Act for Climate“ bereits seit 2019 den mehrjährigen Schwerpunkt Klima + Wirtschaft gesetzt. Was waren die Beweggründe?
Die Wirtschaftskammer Salzburg bekennt sich zur ökosozialen Marktwirtschaft. Dabei geht es auch darum, die Umwelt für die nächsten Generationen zu erhalten und wir räumen daher dem Klimaschutz einen hohen Stellenwert ein. Der Weg zur netto-Klimaneutralität stellt die Wirtschaft jedoch vor große Herausforderungen. Wir sehen es als eine unserer wichtigen Aufgaben, die Unternehmen beim Umstieg auf erneuerbare Energie, alternative Mobilität und bei Energieeffizienz-Maßnahmen zu unterstützen. Mit „Act for Climate“ setzen wir verschiedene Aktionen, um Salzburger Unternehmen über die Themen Klimaschutz und Energie umfassend zu informieren und auch selbst als Interessenvertretung nachhaltiger zu werden.

Sie stellen unter anderem den CO2-Schnellcheck 2030 zur Verfügung. Was können Unternehmen dabei erfahren?
Wir haben den CO2-Schnellcheck entwickelt, damit Unternehmen sehr rasch und effizient einen ersten Überblick gewinnen, wie sie unter ihren gegebenen Bedingungen CO2 reduzieren können. Interessierten Unternehmen wird ermöglicht zu testen, wie sich die Umsetzung verschiedener Maßnahmen in den Bereichen Mobilität mit Kraftfahrzeugen bis 3,5 t Gesamtgewicht und Energieversorgung auf ihre CO2-Emissionen auswirken würden.

Wer sich dann entscheidet, konkret Maßnahmen setzen zu wollen, wird im Bundesland Salzburg besonders gut unterstützt. Zum einen bietet umwelt service salzburg unabhängige und geförderte Beratungen, sowohl was die Planung und Umsetzung der Maßnahmen als auch deren Förderung betrifft, an. Zum anderen gibt es zusätzlich zu den Bundesförderungen für bestimmt Maßnahmen attraktive Landesförderungen, was klimafreundliche Investitionen zusätzlich erleichtert.

Unser CO2-Schnellcheck soll in der Reihe dieser Unterstützungen als Erstinformation dazu beitragen, dass sich Unternehmen einfach und unkompliziert mit dem Thema auseinandersetzen können.

Sie selber führen seit über 5 Jahren WKS-Veranstaltungen zum Thema alternative Mobilität durch, um die Wirtschaft an klimafreundliche Mobilitäts-Technologien heranzuführen. Was sind Ihre Erfahrungen?
Die Idee für die Veranstaltungsreihe „Salzburg in Bewegung“ ist 2015 entstanden. Auf der einen Seite wollten wir Anbietern von alternativen Antriebstechniken eine Plattform geben, ihre für die Energiewende so wichtigen Kraftfahrzeuge zu präsentieren. Auf der anderen Seite sollten potentielle Kunden aus der Wirtschaft die Möglichkeit bekommen, Informationen über Technologien einzuholen, bei denen schon damals abzusehen war, dass sie eine wesentliche Rolle beim Klimaschutz spielen werden. Wir wollten frühzeitig informieren und gleichzeitig einen Marktplatz für die Salzburger Wirtschaft in diesem Sektor schaffen.

Im ersten Veranstaltungsjahr 2016 war es noch gar nicht so einfach, den Saal zu füllen. In den Folgejahren hat sich das bereits stark verändert und das Interesse ist deutlich gestiegen. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung, was die Modelle betrifft. Bis vor kurzem gab es hauptsächlich E-Fahrzeuge bis 3,5 t, jetzt entsteht auch ein Markt für schwerere Fahrzeuge bis 26 t Gesamtgewicht. Für die 40 t-LKW-Züge wird bereits sehr intensiv im Bereich Wasserstoff geforscht.

Das Thema Klimaschutz hat in der Europäischen Union Priorität, aktuell werden die rechtlichen Grundlagen für neue Vorgaben ausgearbeitet. Geraten Unternehmen unter Druck?
Wir von der WKS sehen dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Im Rahmen des Green Deals werden viele Vorgaben kommen, die sich sowohl auf das EU-Recht als auch auf das nationale Recht auswirken werden. Klimaschutz ist sehr wichtig, aber wir können einem staatlich verordneten Klimaschutz nicht viel abgewinnen und wollen uns dafür einsetzen, dass neue rechtliche Vorgaben auch die finanziellen Möglichkeiten der Unternehmen im Auge behalten und nicht einzelne Branchen überhaupt in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden.  

Wie könnte das aussehen?
Unsere Forderung ist, die Themen Klimaschutz und Energiewende durch Anreizsysteme weiter zu verstärken und zu steuern, beispielsweise über einen Ausbau der Förderungen, vielleicht auch über steuerliche Begünstigungen. Manche Unternehmen können sich die Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen nicht so einfach leisten und brauchen dazu noch mehr Unterstützung als bisher. Als Wirtschaftskammer sind uns außerdem Energieträger-Neutralität und Versorgungssicherheit wichtig. Auch Anbieter im Bereich fossiler Energietechnik sollen die Chance haben, durch Verbesserungen ihre CO2-Emissionen zu reduzieren und dürfen nicht durch rechtliche Vorgaben aus dem Markt gedrängt werden. Alle Unternehmen sollen die faire Möglichkeit bekommen, effizienter und damit umweltfreundlicher zu werden.


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